Zuchtphilosophie

Zuchtphilosophie

Als wir uns vor dem Kauf der ersten Schafe über Ouessantschafe informiert haben, waren für unsere Wahl natürlich auch Fakten wie Ablammung, Gesundheit der Rasse etc. ausschlaggebend, aber in erster Linie fand ich die Schafe einfach niedlich. Bei der geringen Körpergröße und den Kulleraugen darf man wohl ruhigen Gewissens vom Kindchenschema sprechen. Die ersten Schafe haben wir über eine bekannte Kleinanzeigenplattform erworben und ich war einfach nur glücklich, „meine“ Schafe abholen zu können. Abstammung? Fehlanzeige. Zähne kontrolliert? Größe gemessen? In diesem Moment völlig nebensächlich. Ich war verliebt in meine Schafe und besonders stolz, dass wir sogar ein braunes Schaf mit nach Hause nehmen konnten.

Man darf festhalten, ich hatte beim Kauf keine Ahnung, worauf es überhaupt ankommt. Die wirklich wichtigen Fakten habe ich nicht überprüft und mich von der Optik blenden lassen. Zugegeben, manchmal überkommt es mich auch heute noch, aber über die Jahre lernt man doch, was zählt und was am Ende nur schmückendes Beiwerk ist. Ein gutes Pferd hat keine Farbe und ich denke diesen Spruch kann man auf die Schafe übertragen. Dass man immer optische Vorlieben haben wird, liegt wohl in der Natur der Dinge. Man sollte dennoch die gesundheitlichen und charakterlichen Merkmale nicht vergessen. Die Prioritäten sollten klar geregelt sein.

Inzwischen ist es mir vor allem wichtig, Schafe zu halten und zu züchten, die sich durch Robustheit und eine gute Gesundheit auszeichnen und mir und ihren zukünftigen Besitzern bis ins hohe Alter Freude bereiten. Bei Ouessantschafen muss in diesem Zusammenhang vor allem die Zahnproblematik angesprochen werden. Tiere die ihre Zähne bereits früh verlieren, sollten nur unter bestimmten Umständen zur Zucht eingesetzt werden und mit den richtigen Schafen angepaart werden. Ich versuche meine Böcke und auch meine Mutterschafe nach Möglichkeit bis ins hohe Alter zu behalten, um ihre Gesundheit und vor allem das Vorhandensein von Zähnen gut beobachten zu können und so Rückschlüsse für meine Zucht zu ziehen.

Da wir durch befreundete Züchter anderer Schafrassen um die teilweise großen Probleme bei den Lammungen wissen, ist für mich einer der wichtigsten Punkte, dass unsere Schafe leicht ablammen, ihre Lämmer annehmen und ordentlich groß ziehen. Einzelfälle in denen es zu Problemen kommt, gibt es selbstverständlich, hier sollte man als Züchter entscheiden, wie man diese Komplikationen einschätzt. Hat eine Erstgebärende Probleme ihr Lamm anzunehmen oder hat eine erfahrene Aue zum wiederholten Mal zu wenig Milch, um ihr Lamm groß zu ziehen? Zum Glück sind Ouessantschafe noch recht ursprünglich und die Geburten verlaufen in der Regel ohne Schwierigkeiten. Die gute Mütterlichkeit der Auen sollte man als Züchter niemals aus den Augen verlieren!

Der festgelegte Rassestandard gibt einen gewissen Rahmen vor, in dem man sich züchterisch bewegen kann. Geschmäcker sind aber bekanntlich verschieden, so bevorzugt der eine Züchter den langbeinigen niederländischen Typ, der nächste mag die kompakteren französischen Tiere lieber, der eine mag lieber schwarze Tiere und ein anderer weiße. Mir persönlich gefallen die Farbschläge schwarz, weiß und braun. Schimmel und graue Tiere gefallen mir von der Farbe der Wolle eher weniger. Gleichzeitig mag ich den kräftigeren Typ der französischen Linien, so dass ich hier in meiner Zucht einen Schwerpunkt setzen werde.

Weil die Größe eben doch manchmal eine Rolle spielt, ist es mir in meiner Zucht wichtig darauf zu achten, dass meine Tiere sich innerhalb der vom Rassestandard festgelegten Größe bewegen. Gleichzeitig muss aber darauf geachtet werden, dass die Schafe nicht zu klein werden, da es dadurch zu Geburtsproblemen kommen kann. Langfristig sollte es sich auf ein gutes Mittelmaß einpendeln. Bis dahin ist es aber wohl noch ein langer Weg.

Züchten heißt: „Denken in Generationen!“



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