Die Wolle muss ab!

Die Wolle muss ab!

In diesem Jahr stand am 22. Juni der Friseurtermin für unsere Schafe im Terminkalender. Bei den sommerlichen Temperaturen durften die Schafe die Nacht im Freien verbringen und mussten erst am morgen in den Stall. So waren sie deutlich entspannter. Wenn Regen droht oder ein Unwetter vorhergesagt ist, bringen wir die Schafe immer am Vorabend in den Stall, damit die Wolle trocken ist, wenn der Scherer kommt. Bei über 30 Grad war es echte Knochenarbeit, die Damen und Herren von ihrem dicken Wollpullover zu befreien.

Im Vorfeld hatte ich bereits bei einigen Schafen selber Hand angelegt und habe die Tiere mit meiner Handschere von ihrer Wolle befreit. Es ist jedes Jahr wieder furchtbar anstrengend und ich fluche und schwitze regelmäßig, aber ich liebe es trotzdem. Man schafft etwas mit seinen eigenen Händen und wenn man fertig ist, betrachtet man sein Werk zwar mit kritischen Augen, aber stolz ist man natürlich trotzdem. Sicherlich, die Schur ist bei mir noch lange nicht so gut wie mit der elektrischen Maschine, aber ich finde die Schafe sehen danach ganz passabel aus. Und wie bei jedem schlechten Haarschnitt, irgendwann wächst alles wieder raus. Wir haben auch versucht, unsere Tiere mit einer Schermaschine zu scheren, das lag uns bzw. mir leider gar nicht. Ich habe kein Gefühl wie viel Platz noch zwischen Wolle und Haut ist, die Maschine ist laut, und war mir zu unhandlich. Man soll bekanntlich nie nie sagen, aber zum jetzigen Zeitpunkt nehme ich doch lieber die Wollschere und versuche damit mein Glück.

Die Schäfchen freuen sich immer, wenn sie ihre Wolle los geworden sind. Gerade in diesem Jahr haben sie doch ordentlich geschwitzt und sich die meiste Zeit im Schatten aufgehalten, auch wenn es dort nur unwesentlich kühler war. Ich muss gestehen, nackt sehen Schafe immer noch einmal anders aus und ich muss mich konzentrieren, die Tiere auseinander zu halten. zum Glück haben bei uns nach der Schur bisher alle Lämmer ihre Mütter wieder erkannt. Da sie aber dabei sind, wenn geschoren wird, merken sie vielleicht schneller, dass etwas anders ist. Es kann vorkommen, dass Lämmer ihre Mütter ohne Wolle nicht mehr wieder erkennen. Dann ist das Chaos natürlich vorprogrammiert und es kann einige Zeit dauern, bis alle sich wieder beruhigt haben. Fälle in denen es nach der Schur zu Unstimmigkeiten zwischen den einzelnen Tieren gekommen ist, sind mir auch bekannt. Wir haben diese Erfahrung bisher zum Glück nicht machen müssen.

Auch in diesem Jahr wird die Wolle unserer Ouessantschafe wieder von einigen Filzerinnen und Spinnerinnen weiterverarbeitet. Ich bin sehr gespannt darauf, erste Ergebnisse aus diesen Versuchen zu sehen. Zukünftig ist auch ein kleiner Wollshop geplant, in dem wir die restliche Wolle anbieten möchten, damit diese nicht weggeworfen werden muss.



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