Decksaison

Decksaison

Wer Schafe hält, der wird sicherlich bestätigen, dass jede Jahreszeit ihren ganz eigenen Charme hat. Das Frühjahr bringt mit den Lämmern viele lustige Situationen, im Sommer kann man den Tieren beim Dösen zusehen und die Schur ist jedes Jahr ein kleines Highlight. Im Herbst ist Decksaison und im Winter kann man die robusten Tiere dem Schnee trotzen sehen und diejenigen die ihre Tiere aufstallen haben engen Kontakt bei der Winterfütterung.

Der Herbst ist für mich in einigen Punkten die interessanteste Zeit im Jahr. Die Planung für die Deckgruppen sind abgeschlossen, die Böcke zugeteilt und es bleibt nur zu hoffen, dass sie ihrer Aufgabe auch nachkommen. Den Deckzeitpunkt konnte ich bisher immer nur erahnen. Die Herren der Schöpfung haben sich da sehr bedeckt gehalten.

In den vergangenen Jahren haben wir es so gehandhabt, dass die Schafe von September/Oktober ist Ende Januar in ihren jeweiligen Deckgruppen standen. 2018 ist alles anders und ich konnte erst Anfang Dezember 2018 die Deckgruppen zusammen stellen. Die Information, dass die Schafe zeitnah brünstig werden, wenn der Bock zu einem späten Zeitpunkt in die Herde kommt, kann ich, auf Grund der bisherigen Erfahrungen, bekräftigen.

Die Böcke stehen ganz gezielt bei den Damen, die empfänglich sind und innerhalb von ca. zwei Wochen konnte ich bisher fünf Deckakte beobachten. Auch einige der diesjährigen Lämmer haben sich bereits decken lassen, auch wenn dies natürlich nicht bedeutet, dass sie auch aufgenommen haben.

Ouessantschafe sind streng saisonal und die Brunstzeit liegt zwischen September und Januar. In einigen Fällen konnten auch frühere oder spätere Belegungen beobachtet werden, womit die Ausnahme die Regel bestätigt. Die Brunst beginnt mit den immer kürzer werdenden Tagen, so dass die Lämmer nach fünf Monaten im Frühjahr geboren werden. Die Muttertiere haben einen Zyklus von 17 Tagen, so dass ein Deckbock im Normalfall ca. sechs Wochen bei den Damen bleibt. Drei Möglichkeiten zur Befruchtung hat er in diesem Zeitraum, was in der Regel vollkommen ausreichend ist. Es steht dem Züchter aber selbstverständlich frei, diese Zeit zu verkürzen oder zu verlängern.

Während die kleinen Böcke bereits in ihrem ersten Herbst mit drei bis fünf Monaten deutliches Interesse für das andere Geschlecht zeigen und spätestens mit zwölf Monaten deckfähig sind, tritt bei den weiblichen Lämmern die Geschlechtsreife abhängig von der Rasse mit sieben bis achtzehn Monaten ein. Da ich nur in Ausnahmefällen Lammböcke zur Zucht einsetze, läuft im Herbst immer eine kleine Truppe Böcke mit, die auf ihre zukünftigen Deckeinsätze warten. Die weiblichen Lämmer hingegen laufen schon im ersten Jahr in der entsprechenden Deckgruppe mit.

Beim Schaf dauert eine Brunst ca. vierundzwanzig bis sechsunddreißig stunden, während der beste Zeitpunkt für eine Bedeckung etwa in der Mitte liegt. Brunstanzeichen können mehr oder weniger ausgeprägt sein. Anzeichen dafür sind Unruhe, häufiges Blöken oder eine Rötung und Schwellung der Scheide, sie können aber auch ganz fehlen. Der Bock erkennt am Urin des weiblichen Tieres dessen Paarungsbereitschaft. Hat keine Befruchtung stattgefunden, erfolgt die nächste Brunst nach zwei bis drei Wochen.

Um die Brunst auszulösen gibt es einige Möglichkeiten, die sich die Züchter zu Nutze machen können. Stimulation der Schafe, indem man den Bock mehrere Wochen vor Beginn der gewünschten Deckzeit vollständig abtrennt und separat hält und dann wieder in die Herde einführt ist eine dieser Möglichkeiten. So Handhabe ich es vor der Deckzeit. Zusätzliche Kraftfutter- und Vitamingaben können eine Aufnahme ebenfalls begünstigen. Da es sich bei Ouessantschafen um eine robuste und leichtfuttrige Rasse handelt, war eine Kraftfuttergabe bei uns bisher nicht notwendig. Im Gegenteil können die kleinen Schafe schnell verfetten, so dass man Zusatzfutter nur wohl dosiert einsetzen sollte. Weiterhin ist zu beachten, dass Schafe sich nur sehr langsam an neues Futter gewöhnen.

Der eigentliche Deckakt ist kurz, er dauert nur ungefähr 10 Sekunden. Dem eigentlichen Akt geht aber ein verschieden lange dauerndes, Vorspiel voraus, bei dem der Bock seine Angebetete nicht aus den Augen lässt. Ist der richtige Zeitpunkt gekommen, bespringt der Bock das Mutterschaf. Sollte man das Nachstoßen mit dem Penis und die gleichzeitig stattfindende Umklammerung des Schafes mit den Vorderbeinen nicht sehen können, ist es in der Regel nicht zu einem Deckakt gekommen. Innerhalb der festgelegten Deckgruppen braucht man sich um den Deckzeitpunkt keine Sorgen zu machen, denn der Bock deckt in dieser Zeit die Muttertiere mehrfach. Kommt ein Schaf immer wieder in die Brunst, kann man davon ausgehen, dass es nicht aufgenommen hat.

Bei einigen Rassen ist es zu empfehlen die lang gewachsene Wolle zu kürzen und eine sogenannte Schwanzschur vorzunehmen. Der Scheidenbereich und die anliegenden Regionen werden geschoren, um eine größere Sauberkeit gewährleisten zu können. In der Vergangenheit haben wir auf diesen Stress verzichtet und die Schafe nicht frei geschoren. Alle Lämmer haben ohne Probleme das Euter gefunden und Entzündungen hatten wir noch nicht. Wie bei so vielem gilt aber auch in diesem Fall, dass der Züchter selber entscheidet und seine Tiere am besten kennt.

Beim Austritt von reifen Eiern aus den Eierstöcken wird bei Schafen die Brunst ausgelöst. Nach erfolgreichem Deckakt wandern die Samen der Böcke in den Eileiter, wo anschließend die Befruchtung der Eizelle erfolgt. Nach ungefähr zwei bis vier Tagen gelangen die befruchteten Eier in die Gebärmutter und nisten sich dort ein. Der Züchter muss besonders in den ersten vier Wochen darauf achten, dass die Muttertiere in dieser Zeit nicht gestresst werden. Hetzende Hunde aber auch ein abrupter Futterwechsel oder eine unausgewogene Ernährung können Schuld sein, wenn der Embryo in der Gebärmutter abgestoßen wird und das Schaf im schlimmsten Fall leer bleibt.

Ouessantschafe bringen nach etwa 146 Tagen in der Regel ein Lamm zur Welt. Zwillinge sind sehr selten und gemäß dem Zuchtziel nicht erwünscht. Da das Lämmerwachstum zu achtzig Prozent in den beiden letzten Trächtigkeitsmonaten stattfindet, muss das Muttertier nun durch gutes Futter und eventuelle Kraftfuttergaben unterstützt werden. Rechtzeitig vor dem Ablammen sollte eine Wurmkur durchgeführt werden – über das richtige Präparat berät der Tierarzt.



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